Mit dem WE&ME Award fördern wir gemeinsam mit dem FWF wegweisende Forschung zu ME/CFS – hier stellen wir das erste Gewinnerprojekt vor.
Genetische Endotypen bei ME/CFS: Krankheitsmechanismen besser verstehen
Projektleiter*in

Matthias Wielscher, Principal Investigator/Wissenschaftler
Medizinische Universität Wien; Zentrum für Public Health; Abteilung für Epidemiolgie

Prof. Kathryn Hoffmann, Co-Principal Investigator
Medizinische Universität Wien; Zentrum für Public Health; Abteilung für Primary Care Medicine
Durchführende Institution: Medizinische Universität Wien; Zentrum für Public Health; Abteilung für Epidemiologie
Kooperationspartner: Prof. Chris Ponting, University of Edingbrugh, Institute of Genetics and Cancer
Projektbeginn: 01.09.2026
Projektdauer: 4 Jahre
Projektzusammenfassung:
ME/CFS ist eine sehr heterogene Erkrankung. Betroffene unterscheiden sich nicht nur in ihren Symptomen, sondern wahrscheinlich auch in den biologischen Mechanismen, die ihrer Erkrankung zugrunde liegen. Werden jedoch alle Patientinnen und Patienten gemeinsam untersucht, überlagern sich diese Unterschiede. Dadurch wird es schwieriger, genetische Ursachen zu erkennen und neue Therapieansätze zu entwickeln.
In diesem Projekt möchten wir die biologischen Untergruppen von ME/CFS identifizieren und besser verstehen. Unsere zentrale Hypothese ist, dass sich die Erkrankung in mehrere biologisch unterschiedliche Formen unterteilen lässt, die auf verschiedenen Krankheitsmechanismen beruhen.
Dafür verfolgen wir zwei komplementäre Ansätze. Im ersten analysieren wir klinische Daten aus Patientenkohorten, darunter Symptome, Begleiterkrankungen und Fragebogendaten, um Patientinnen und Patienten mit ähnlichen Krankheitsverläufen zu identifizieren.
Im zweiten Ansatz nutzen wir genetische Daten. Anstatt einzelne Gene zu betrachten, fassen wir viele genetische Varianten zu genetischen Mechanismus-Scores zusammen. Diese beschreiben den genetischen Einfluss biologischer Prozesse wie Entzündungsreaktionen, Autoimmunität, Störungen der Energiegewinnung oder der Darmbarriere. So möchten wir für jede Patientin und jeden Patienten ein individuelles biologisches Profil erstellen und daraus genetisch definierte Untergruppen ableiten.
Anschließend vergleichen wir beide Ansätze. Stimmen klinische und genetische Untergruppen überein, wäre dies ein wichtiger Hinweis darauf, dass sie tatsächlich unterschiedliche Krankheitsmechanismen widerspiegeln.
Abschließend werden wir diese Untergruppen im weltweit größten genetischen Datensatz für ME/CFS (DecodeME) untersuchen und erneut genomweite Analysen durchführen. Wir erwarten, dadurch genetische Zusammenhänge zu entdecken, die bisher aufgrund der großen Heterogenität verborgen geblieben sind. Langfristig könnte dies zu einer präziseren Diagnostik beitragen und neue Ansatzpunkte für gezielte Therapien oder die Wiederverwendung bereits zugelassener Medikamente liefern.

Foto: Chistian Jobst
Dieses Projekt wurde mit dem WE&ME Award ausgezeichnet und wird vollständig durch die WE&ME Stiftung finanziert.
Der WE&ME Award entstand aus einer Kooperation der WE&ME Foundation mit dem FWF (Wissenschaftsfonds), um herausragende Forschung im Bereich ME/CFS zu fördern. Dieses Projekt hat sich im Auswahlverfahren durchgesetzt und wird nun im Rahmen des Awards finanziert.